Grindelwald / 15.& 16. Juli 2016

Eiger Ultra Trail 2016 – (101 km / 6700 HM)

Anreise gestaltet sich schwieriger als gedacht

Zusammen mit meinem persönlichen Betreuer Reto sind wir am frühen Freitagabend auf dem Camping Eigergletscher in Grindelwald eingetroffen. Da wir für die letzten Anfahrtsmeter einen inoffiziellen und deshalb für unseren Camper viel zu schmalen Weg gewählt haben, hat das Abenteuer bereits hier begonnen. Soweit so gut - die erste Hürde haben wir zum Glück heil überstanden.

Ein Nachtessen reicht heute nicht aus

Ein kleiner Fussmarsch trennt uns vom Start-Zielgelände wo ich die Startnummer erhalte und mein Material gecheckt wird. Mit der Startnummer in der Hand ist auch die 2. Hürde gemeistert. Da uns ein Nachtessen nicht ausreicht, bestellen wir als zweiten Gang gleich noch eine Pizza oben drauf und dazu ein Glas mundenden "Traubensaft". Anschliessend geht‘s früh zu Bett.

Aufgeplatzte Blase und Blasenpflaster das nicht hält

Um 03.15 Uhr holt mich der Wecker aus dem Tiefschlaf und erlöst mich von dieser unruhigen Nacht... Frisch geduscht, was übrigens zu meinem Ritual gehört, stehe ich am Start und warte auf den Startschuss. Dann die Erlösung - endlich geht‘s los! Ich laufe gut an und wie immer versuche ich von Beginn an ökonomisch zu laufen. Doch was ist das? Im rechten Schuh beginnt es bei mir bereits ab dem zehnten Kilometer an der Ferse zu scheuern. Runter geht‘s schmerzfrei - bergauf leider nicht. Nach 17 km ist es dann soweit. Ich klebe mir ein Blasenpflaster auf die aufgeplatzte Blase. Da ich diese Pflaster noch nie benutzt habe, aber immer mit mir herumtrage, sind sie schon älteren Datums. Die Dinger wollen und wollen einfach nicht richtig kleben. Mit einem Ohr bekomme ich mit, wie ein Helfer zum andern sagt: "Schau, wie geht das nur aus, wenn der schon hier mit Blasen zu kämpfen hat." Es sind definitiv nicht die Worte die man in solchen Momenten hören will.

Die Hälfte ist geschafft - jetzt ein happiger Anstieg

Höhenmeter um Höhenmeter, Kilometer um Kilometer kämpfe ich mich durch die imposante Gebirgslandschaft. Keine Wolke am Himmel und gleichzeitig weht ein leichter Wind. Geradezu optimale Laufbedingungen. Bei Burglauenen ist dann die Hälfte geschafft. Dort werde ich von Reto und Nadia ein erstes Mal versorgt. Merci an dieser Stelle euch beiden - das habt ihr super gemacht! Obwohl mich der Schuh immer noch drückt, verzichte ich, der besseren Profilierung wegen, auf einen Schuhwechsel.

Unerwarteter Besuch

Frisch gestärkt nehme ich wohl das härteste Teilstück unter die Füsse. 1800 Höhenmeter geht‘s nun aufwärts, mit einem "Zwischenhalt" in Wengen, bis hinauf auf den Männlichen. Unterwegs auf einer Alp höre ich plötzlich wie jemand meinen Namen ruft. Ich blicke auf und entdecke meine "Marathon des Sables" -Zeltkollegen Fränzi und Franz. Welch Überraschung. Die beiden sind tatsächlich aus dem Kanton Zürich angereist, um Brigitte und mich hier anzufeuern.

Der Magen meldet sich zu Wort

Beflügelt durch die Anfeuerungsrufe erreiche ich problemlos den Verpflegungsposten in Wengen, wo ich möglichst viel Nahrung für den bevorstehenden happigen Anstieg in mich hineinstopfe. Eine Art Kakaogetränk, zahlreiche Orangenschnitze, Cola, Chips und dazu noch einen süssen Gel. Nicht die Menge, aber vermutlich die Essens-Zusammenstellung hat dann beim Anstieg für das eine oder andere Rumpeln in der Magengegend gesorgt. Wie ein Wunder kann ich alles behalten... Mit dem Erreichen des Männlichen-Gipfels ist dann auch die 3. Hürde geknackt. Es läuft immer noch gut - auch die Pace stimmt mit der Marschtabelle überein. Die letzten 30 Kilometer vergehen wie im Flug und ohne grössere Zwischenfälle, so dass ich auch dieses Mal in den Genuss der Zielüberschreitung kommen darf. Yes! Die 4. und letzte Hürde ist nach 16h50min auch geschafft.

Fazit Eiger Ultra Trail 2016

Von früh morgens bis spät abends einfach nur Postkartenwetter. Ein TOP organisierter Lauf mit netten Helferinnen und Helfer. Schlecht eingelaufener Schuh und Blasenpflaster die nicht kleben. Hauptprobe für den nächsten Lauf in knapp einer Woche ist geglückt - Optimierungspotential jedoch vorhanden.

Die 5. und schwerste Hürde für diese Laufsaison steht noch bevor

Swiss Irontrail T 201 (201 km / 11'500 HM) ich bin bereit!