Vier Mal um den Bielersee und insgesamt 160 km nonstop, so lautete die Herausforderung die es an diesem regnerischen Freitagabend zu bewältigen galt. Punkt 17.00 Uhr erfolgte der Start. Die erste Runde konnte ich noch ohne Stirnlampe bewältigen. Meist alleine unterwegs und den See immer zu meiner Rechten, lief ich mit gleichmässigem Tempo dem Seeufer entlang. Das einzige Tief überhaupt, wenn man das als solches bezeichnen darf, hatte ich in der Mitte (Erlach) der zweiten Runde. Oben nur mit T-Shirt bekleidet, wurde es urplötzlich richtig kalt. Eine Kombination aus Wind und Nieselregen liess meine Hände vor Kälte erstarren. Ich war praktisch nicht mehr in der Lage meine Trinkflasche zu öffnen. Mit einer bestimmten Zahn-Hebeltechnik ist es mir letztendlich doch noch gelungen…

Die Strecke auf der See-Nordseite zurück zum Lago Lodge konnte ich dann mit Rückenwind wiederum locker und rund laufen. In bester Erinnerung sind mir die Spaghettis nach der zweiten Runde geblieben, welche ich mit reichlich Kokosöl verfeinert und zu mir genommen habe. Nach zahlreichen Riegels und Gels auf den beiden ersten Runden war das eine willkommene Abwechslung und ein Energiefeuerwerk für den Auftakt in die dritte Runde. Diese Runde habe ich ganz bewusst genossen. Im Vorfeld setzte ich mich gezielt mit dieser auseinander, da ich der Meinung war, dass diese zur grössten Härteprobe werden würde. Vermutlich dank meiner Einstellung ist es mir letztendlich auch gelungen, die dritte Schleife ohne nennenswerte Probleme zu bewältigen. Auf der letzten Runde und ca. 5 km vor dem Ziel wurde ich von der Spitze des 50 km regelrecht überrollt und so entschloss ich mich, mein Tempo auch nochmals zu verschärfen. Die 50 km Ultraläufer starteten am Samstagmorgen um 09.00 Uhr, also 16 Stunden später als wir. Überglücklich und mit überwältigenden Emotionen überquerte ich nach 19.5 Stunden die langersehnte Ziellinie.